Zeit-Journalist Jens Uehlecke: Twitter ist Bloggen für Arme!
Mittwoch, 3 Juni 2009. .
Das manch ein gestandener Journalist eine gewisse Angst gegenüber dem Internet hat ist ja verständlich und auch nachvollziehbar. Das Journalisten noch mehr Angst gegenüber Twitter haben ist beruflich bedingt.
Das aber Journalisten ausfallend werden und Twitter-Nutzer sogar beleidigen – das ist eine neue Dimension der journalistischen Twitterphobie.
So schreibt Jens Uehlecke in der Zeit doch glatt:
“An der konzertierten Banalität erkennt man schnell, dass einen gewaltigen Vogel haben muss, wer da noch mitsingt…”
oder auch
“Jeder darf sich äußern, wann und so oft er will. Selbst jene, die nicht einmal mehr von all den Bärbels und Britts in Trash-Talkshows eingeladen würden…”
Aber am besten gefällt mir diese verbale Entgleisung von Herrn Uehlecke:
“Und so hat das Unterschichten-Fernsehen endlich seine Entsprechung im Netz: Twittern ist Bloggen für Arme!”
Und dann hatt der gute Herr Uehlecke aber auch noch den Grund für seine Abneigung gegen Twitter preisgegeben:
“Angeblich soll Twitter die Zukunft des Journalismus sein. Tatsächlich meldeten Twitterer früher als jede Nachrichtenagentur die Notlandung auf dem Hudson River, den Absturz auf dem Amsterdamer Flughafen und den Amoklauf von Winnenden. Doch das war eben nur möglich, weil niemand prüft, was wahr ist und was falsch.
Das führt dazu, dass ein von Gerüchten getriebener Mob wieder und wieder Enten verbreitet. Wie nach den Anschlägen von Mumbai, als penetrant behauptet wurde, das Marriott-Hotel sei attackiert worden. Spätestens in Momenten wie diesem hofft man, dass endlich jemand ein Online-Pendant zu Scheuermilch erfindet, um das Netz von dem Geschmiere zu befreien.”
Lieber Herr Jens Uehlecke,
ich verstehe Ihre Angst – Twitter könnte zukünftig interessanter sein als die Zeitung für die Sie tätig sind. Weil Twitter (bzw. Twitter-Nutzer) meistens direkt vor Ort ist während Sie noch nicht mal wissen das etwas passiert ist. Natürlich werden dann auch mal Informationen übermittelt, welche nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen und vielleicht aus Unwissenheit oder vielleicht auch bewusst übertrieben “getwittert” werden.
Aber ist das in der etablierten Presse nicht genau so? Da werden zu oft ungeprüfte Agenturmeldungen zu schnell übernommen (klar…man kann sich ja hinterher rausreden und korrigieren) und auch gerne mal Dinge etwas spektakulärer gemacht.
Insofern unterscheidet sich die sogenannte Volks-Berichterstattung wenig von der klassischen Presse. Das schöne an Twitter ist , dass solche Meldungen meistens nicht nur von einer Person kommen, so dass man sogar unterschiedliche Ansichten und Berichte bekommt und sich sein eigenes Bild erstellen kann. Anders als bei einer Agenturmeldung die meistens eins zu eins von fast allen klassischen Medien übernommen und verbreitet wird habe ich bei Twitter sogar etwas mehr Unabhängigkeit.
Das haben sogar einige Ihrer Kollegen bemerkt und recherchieren oft und regelmäßig bei Twitter – und bedienen sich dann auch gerne mal der Informationen und Bilder. Geht schnell und ist kostenlos. Aber ich denke, dass diese Kollegen sich auch ein bisschen mehr mit der Materie auskennen als Sie…
Natürlich gibt es bei Twitter viel Belangloses, privates und völlig uninteressantes. Es gilt für jeden Twitternutzer herrauszufinden was ihn interesiert und was nicht. Jeder kann selber bestimmen wem er Folgt und was er lesen möchte. Insofern KANN Twitter gar nicht nerven, denn ich muss ja nichts zwingend ertragen was ich nicht explizit angefordert habe.
Ich denke, wenn Sie sich vor Ihrem Artikel etwas besser über Twitter informiert hätten, wäre uns allen der von Ihnen verfasste und für mich völlig blödsinnige Artikel erspart geblieben – oder vielleicht hätte er ja auch in 140 Zeichen gepasst…







Daumen Hoch! 8-)
Heiko
Wo kann ich diese Online-Scheuermilch kaufen? ;)
Ich kann mich da nur zu 100% anschließen. Well done!
Irgendwie klingt der Online-Schermilch Satz ein wenig wie “Wir müssen das Kommunistische Gedankengut aus den Köpfen der Menschen herauswaschen”… Man der hat echt harte Geschütze aufgefahren.
[...] Ein weiterer Artikel dazu findet sich auch bei Lars Wichert. [...]
Gratulation zum Artikel, gefällt mir wirklich sehr gut. Bei Twitter hätte der gute Journalist allerdings kaum 140 Zeichen gebraucht, da hätten es auch 5 Buchstaben getan: Blubb
ich stimme zu. Das Geschmiere in der Zeit ist eindeutig ein Fall von “was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht”.
@caschy: hier http://twitpic.com/6j16z ;-)
Sehr gut! Besser hätte ich die Antwort selbst nicht schreiben können.
Bevor man über etwas schreibt, was man nicht kennt, sollte man als guter Journalist recherchieren – und das hat der Herr U. nicht gemacht.
BRAVO!
Gut gekontert! Eigentlich wäre dieser “Bildzeitungsartikel” nicht mal unsere Aufregung und Kommentare wert, er disqualifiziert sich alleine. Bedenklich ist nur, dass viele der “intellektuellen” Zeit-Leser sich in Ihrer Abblehnung von solch suspekten Erscheinungen des Internet mal wieder bestärkt fühlen werden und für Social Networking verloren sind. Das hat dann auch wiederum Auswirkungen in der Ablehnung neuer Lehrmethoden mit Social Software – ist ja alles Kinderkram und sehr suspekt! Keine Ahnung, was dieser Journalist bei der von mir jahrzehntelang geschätzten ZEIT verloren hat- seinen Verstand???
[...] Hier noch ein lesenswerter Beitrag zum Zeit-Online-Artikel über Twitter. [...]
Allein die Logik des Artikels ist klasse: Weil einige Tweets uninteressant oder banal sind, ist der Rest auch nur für geistig Arme. Weil die Bildzeitung oft Unfug schreibt, brauche ich die Zeit auch nicht zu lesen…
Klasse Konter! Einen so schlecht recherchierten und unausgewogenen Kommentar, kann man nicht so einfach stehen lassen. Danke dafür.
Kleine Kritik: bitte nächstes mal besser auf den Unterschied zwischen das und dass achten.
@jukees: Danke für Deinen Kommentar. Das schöne an uns Twitterern und Bloggern ist ja, dass man auch mal Schreibfehlerchen machen darf. wir sind ja keine Journalisten ;-), Aber dennoch danke für den Hinweis…
Irgendwie tut mir die Zeit leid. Der Artikel ist so erbärmlich.
Twitter ist eine Kommunikationform für die Unterschicht? Was sind den bitte Kommunikationsformen für die Oberschicht?
Na ja, vllt gibts ja auch darüber bald einen Artikel in der Zeit.
Arme Zeit. :(
[...] “Auch Twitter muss man kritisieren dürfen. Es nicht zu mögen, ist nicht exotisch. Nur wehe, das spricht jemand aus” schreibt Zeit Redakteur Stefan Schmitt und verteidigt seinen Kollegen Jens Uehlecke (”Twittern ist Bloggen für Arme!“). [...]
[...] die einen ist Twitter “konzentrierte Banalität“, für die anderen ein hochaktuelles News-Medium. Für die meisten Twitter-Nutzer jedoch ist [...]
Top Artikel! Stimme dem nur zu gerne zu.